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Nordseeschützer unterstützen Forderungen der Nautikervereine

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Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste hat in einer Pressemitteilung das aktuelle Positionspapier von neun Nautischen Vereinen begrüßt, die unter Federführung des Nautischen Vereins zu Kiel die „Einbindung der deutschen Lotsen in die Notfall-Konzepte des Havariekommandos“ fordern.

Der schwere Seeunfall des Massengutfrachters GLORY AMSTERDAM am 29. Oktober 2017, bei dem das Schiff ungehindert über zwölf Stunden hinweg verdriftete und letztlich rund 1,5 Kilometer vorLangeoog strandete, stelle 20 Jahre nach der PALLAS-Havarie einen neuen Markierungspunkt mangelnder praktischer Schutzkonzepte an den deutschen Küsten dar, führte sie aus. Einzig der Tide, dem weichen Sand sowie dem Doppelboden im Tankbereich des Havaristen ist zu verdanken, dass dabei keine größeren Umweltschäden entstanden.

Scheinbar eindeutige Ursachen für das große Scheitern seien wohl zu einem wesentlichen Teil Sprach-, Verständigungs- und Verständnisprobleme zwischen der Besatzung des Havaristen und allen anderen beteiligten deutschen Stellen. Dem im März 2019 veröffentlichten Unfallbericht sei vor allem zu entnehmen, dass es dem chinesischen Kapitän stressbedingt an der Fähigkeit mangelte, allgemeinverständlich (inhaltlich und phonetisch) in englischer Sprache zu kommunizieren. Somit sei er nicht in der Lage gewesen, den Sinn und Zweck der seitens der deutschen Stellen angekündigten Maßnahmen in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht zu verstehen.

Aus Sicht der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e.V. (SDN) stellt sich dazu wie von selbst die zwingende Frage, wie mit solchen oder ähnlichen Fällen zukünftig an der deutschen Küste umgegangen werden soll. Es gibt sicher noch viele andere Kapitäne und Schiffsbesatzungen, die in außerordentlicher Stresssituation vielleicht nicht richtig reagieren – sei es aufgrund seemännischer Unzulänglichkeiten, Versicherungsfragen oder gar böser Absicht. Das negative Resultat wäre für die Küste und ihren Lebensraum Wattenmeer immer dasselbe.

Somit interessiert Dieter Harrsen, SDN-Vorsitzender und nordfriesischer Landrat, welche Lehren aus der Havarie gezogen werden, insbesondere in Bezug auf die Nutzung effektiver Kompetenzen. “Ist das Havariekommando (HK), die staatlicherseits stets hoch gelobte Stelle zur Bewältigung komplexer Schadenslagen auf See und an der Küste, bestens mit Material, Technik und Personal ausgestattet? Nein”, stellt er fest. Vielmehr würden jederzeit verfügbare Fachkompetenzen vom Havariekommando praktisch nie hinzugezogen – die rund 800 im hoheitlichen Auftrag und unter staatlicher Aufsicht tätigen deutschenLotsen. Und das, obwohl gerade sie als nautische Fachleute darauf trainiert und darin erfahren sind, mit allen Schiffsführungen, unabhängig von deren englischen Sprachkenntnissen, gerade in nautischextremen Situationen eindeutig professionell und auf Augenhöhe zu kommunizieren – für Dieter Harrsen ein leichtsinniges Verhalten zu Lasten der Küste. Aus seiner Sicht hätte ein frühzeitiger Bordeinsatz eines Seelotsen das Kommunikationsproblem zwischen der GLORY AMSTERDAM und den Landstellen weitgehend aufheben können und damit die spätere Strandung vor Langeoog wahrscheinlich verhindert.

Somit begrüßt die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste als kommunaler Umweltverband ausdrücklich das aktuelle Positionspapier von neun Nautischen Vereinen, die unter Federführung des Nautischen Vereins zu Kiel die Einbindung der deutschen Lotsen in die Notfall-Konzepte des Havariekommandos fordern.

Im Einzelnen weisen die Nautiker in ihrem Papier darauf hin, dass es für die Lotsen als “Koordinatoren und Kommunikatoren” zum alltäglichen Ablauf gehört – und gerade auch in nautischen Extremsituationen – “die Strukturen des deutschen Verkehrssicherungssystems zu erläutern und die jeweiligen Kompetenzen eindeutig zu übermitteln”. Zudem würden Lotsen gegenüber den Schiffsführungen auf “nautischer Augenhöhe” agieren und würden von ihnen im Allgemeinen in ihrer fachlichen Kompetenz voll akzeptiert. Zudem weisen sie darauf hin, dass die Lotsenversetzungen per Hubschrauber in der Deutschen Bucht “mit einer unter allen Bedingungen geschulten Crew und seit Jahren unfallfrei” durchgeführt werden. Und auch die funk- wie lagetechnische Ausstattung der Lotsen umfasse sowohl die modernsten UKW-Seefunkgeräte mit der maximal erlaubten Sendeleistung als auch eine moderne “Portable Pilot Unit”, mit der unabhängig von den Bordsystemen alle Lagedetails erfasst und kommuniziert werden können.

Die Lotsen bringen somit genau die personelle und technische Kompetenz mit, die es bei der Havarie der GLORY AMSTERDAM nur eingeschränkt gabund wahrscheinlich zur Verhinderung der Strandung wesentlich beigetragen hätte. Bleibt somit aus Sicht der SDN die dringende Forderung, die Lotsen in das Notfall- und Einsatzkonzept des Havariekommandos fest einzubinden.

Foto: SDN/Andryszak

 

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