Zwei Nikoläuse im Hochsommer

Am 21.07.2018 Von: Mayk D. Opiolla

Mit beeindruckend viel Talent, Spaß und Disziplin haben zwei Dutzend Kinder aus Norden und von Langeoog (darunter auch Gästekinder) ein herzerwärmendes Musical rund um den Namenspatron der katholischen Kirche St. Nikolaus gestaltet.

Der historisch verbriefte Bischof Nikolaus von Myra (heutige Türkei) lebte im 4. Jahrhundert n.Chr. und ist an der Küste als Schutzpatron der Seefahrenden bekannt. Im Allgemeinen wird der Heilige aber wohl eher mit dem 6. Dezember (seinem Todestag) verbunden, wo er von Kindern als Süßigkeitenlieferant lang ersehnt wird. Dieser Kommerzialisierung seines Andenkens, insbesondere die Vermischung der Gestalt des heiligen Nikolaus mit der fiktiven Figur des "Weihnachtsmannes", versuchen einige Kirchengemeinden schon seit einer Weile entgegenzuwirken, indem sie auch Nikolausfeste fern des 6. Dezember feiern. So auch auf Langeoog im letzten Jahr, als der Leiter der Pfarreiengemeinschaft Küste, Bernd Heuermann, sich persönlich in den Brokatornat warf und den Kindern von "sich" (in der Rolle des Nikolaus) erzählte — und so auch in diesem Jahr, wo der heilige Nikolaus mitten im Sommer musikalisch gewürdigt werden sollte.

Verantwortlich zeichnete hierfür Marlene Specker, Katechetin der Gemeinde St. Ludger in Norden, zusammen mit Küsterin Christine Soja und Mitgliedern des Norder Gitarrenchores "Saitenhüpfer". Binnen vier Tagen brachte das Team die Premiere des Musicals aus der Feder von Reinhard Horn und Hans Jürgen Netz in Norden zuwege, wo es am Donnerstag uraufgeführt wurde.
Für Langeoog als zweiten Aufführungsort entschied man sich aufgrund der guten Kontakte zu Pastoralreferntin und Insel-Seelsorgerin Susanne Wübker — und wegen des Patroziniums der Langeooger Kirche. In der "Namensvetterin" auf der Nachbarinsel, St. Nikolaus auf Baltrum, soll das Stück nächstes Jahr zur Aufführung gelangen.

Nach einem halbtägigen Workshop, den alle Kinder mit Fleiß und Bravour meisterten, wurde es um 17 Uhr Ernst. Eltern und Interessierte hatten sich in der Kirche zur Aufführung eingefunden. Susanne Wübker gab Mini-Bischof Jannik (9) als theologische Fachberaterin letzte Instruktionen zur Handhaltung beim Segnen, Mama Christine legte dem Sohn noch die Klerikerkleidung an, die Musikerinnen und Musiker stimmten ihre Instrumente; darunter auch Langeoogerin Regina Willenberg mit ihrer Trompete. 

Als dann das erste Stück erklang und Marlene Specker, gemeinsam mit den Kindern, zur Gitarre zu singen begann, waren alle sofort in den Bann der kleinen Künstler geschlagen. Anrührend und authentisch spielten die Mädchen und Jungen das hungerleidende Volk des Bischofs von Myra und erzählten dabei das "Kornwunder" nach, demzufolge Nikolaus im Hafen von Myra liegende Schiffer um ein paar Säcke Korn für sein Volk bat. Diese lehnten zunächst ab, da das Korn für den Kaiser in Alexandria bestimmt war, vertrauten dann aber dem Heiligen, als dieser versprach, dass bei der Ankunft kein Gramm fehlen solle: Und so geschah es auch. 

Die Aufregung merkte man keinem der Kinder an, alle sprachen und spielten hochkonzentriert, als würden sie kaum etwas anderes machen. Zwei unter viel Applaus eingeforderte Zugaben waren die Folge.

Zurück im Pfarrheim gab es dann noch eine Überraschung. Kaum hatte sich der kleine Jannik aus dem Bischofsornat geschält, ertönten aufgeregte Rufe: "Der Nikolaus kommt! Der Nikolaus kommt!" — Noch ein Nikolaus?

Und tatsächlich: Über den Weg zum Pfarrheim schritt ein stattlicher junger Mann mit Bischofsmütze, Hirtenstab und langem, weißem Gewand; die Julisonne ließ das Gold der Stickereien an Mitra und Umhang aufleuchten. Ein so schöner Anblick konnte nur mit "Aah" und "Ooh" quittiert werden. Die Pastoralreferntin verschwand derweil verschwörerisch in der Küche, denn natürlich hatte der Nikolaus auch noch etwas vorbereiten lassen: Eis für alle!
Dieses wurde dem Mann aus Myra dann so ungestüm und freudig entrissen, dass ihn jemand — quer übers strahlend weiße Gewand — versehentlich mit Schokoladensoße verzierte. "Dann bin ich halt ein echter Schokoladennikolaus", lachte der sympathische Geistliche, der zum Trost dafür dann auch ein Schälchen Eis essen durfte.

Außerdem gab es auch noch weitere Geschichten aus dem Leben des heiligen Nikolaus zu hören, und die Kinder versuchten, den Unterschied zwischen "Sommer- und Winternikolaus" herauszubekommen. Mit feierlichem Ernst hieß es dann beispielsweise: "Der Winternikolaus ist älter und dicker und hat einen Bart!", oder: "Der Sommernikolaus ist weiß angezogen, der andere in Rot!" — Für Heiterkeit im Pfarrheim war durchweg gesorgt.

Nach der Feier durfte dann auch verraten werden, wer wirklich im (ehemals weißen) Nikolausgewand steckte: Zwar nicht der Bischof von Myra selbst, aber immerhin auch dieses Jahr wieder ein echter Gottesmann, der mit dem "Weihnachtsmann" zumindest soviel gemein hat, dass er aus dem ganz hohen Norden kommt.
Pater Dominik Terstriep, Jesuit aus Stockholm und zurzeit Kurpastor an St. Nikolaus, hatte sich gerne für diesen Spaß einspannen lassen und zeigte sich, wie auch alle anderen, begeistert von dem schönen Nachmittag und dem Talent der Kinder.

 

 

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