Vogelkolonien wegen Störung aufgegeben

Am 02.06.2015 Von: Klaus Kremer

In der vergangenen Woche ist vom Bundesamt für Naturschutz der erste Artenschutz-Report vorgelegt worden, nach dem inzwischen jede dritte Art in Deutschland gefährdet ist, die meisten davon als Folge intensiver Landwirtschaft. Im Gespräch mit Langeoog News hat Birte Weinbecker eine Bewertung der Entwicklung auf Langeoog vorgenommen. Auf der Insel sind die Auswirkungen nicht so stark, den Unterschied zum Festland kann man deutlich spüren. Die Luft ist voller singender Feldlerchen, Kiebitzküken spazieren durch die Wiesen und seltene Orchideenarten blühen.

Je katastrophaler die Zustände am Festland, desto bedeutender werden die ostfriesischen Inseln als Zufluchtsorte jener Arten, die durch die moderne Landwirtschaft dezimiert werden. Natürlich steigt damit auch die Verantwortung und sogar die Einflussmöglichkeit auf die Artenvielfalt.

Aus diesem Grund ist der vielfältige Einsatz von Langeoogern und Gästen so wichtig: Naturführererin Birte Weinbecker nennt Beispiele: " Die Rücksicht der Insellandwirte auf den Vogelnachwuchs geht seit Jahren sogar über das hinaus, was der Vertragsnaturschutz fordert. Die Langeooger Jägerschaft trägt an die Nationalparkverwaltung tolle Ideen zur gemeinsamen, einheitlichen Beschilderung heran. Die Inselzeitungen weisen alljährlich zur Brutzeit auf die Leinenpflicht für Hunde hin. Die meisten Hundehalter berücksichtigen das, wohl kaum aus Angst vor Ordnungshütern, sondern wegen einem echten Verständnis für die Verletzlichkeit wildlebender Vogelkinder. Und es gibt viele weitere Beispiele."

Obwohl der positive Einsatz überwiegt, reichen bedauerlicherweise einzelne Vorkommen, um die Bruterfolge ganzer Kolonien zunichte zu machen. Leider gab es im April und Mai mehrere Vorfälle:

Zu den empfindlichsten Arten gehören die Säbelschnäbler. Oft reicht eine Störung und eine ganze Kolonie löst sich auf und lässt sämtliche Eier zurück. Vergleichbar ist das mit einer Familie, die nach einem Einbruch in ein anderes Haus zieht. Über mehrere Jahre haben Säbelschnäbler am Schloppsee gebrütet und jedes Jahr nach einer Störung aufgegeben, obwohl die Fläche zur Brutzeit nicht betreten werden darf und der Schloppsee kein Angelgewässer ist.

2013 sind sie ans Siel am Seedeich gezogen, ein optimaler Ort, an dem sie durch die erhöhten Seiten Windflutenschutz haben, mitsamt Nachwuchs gut beobachtet werden können und Störungen unwahrscheinlich schienen.

Nach einer erfolgreichen Brut 2014 wurden in diesem Jahr mindestens 40 Paare gezählt, nach Jahren sinkender Bestände erstmals wieder richtig viele! Doch dann musste Birte Weinbecker feststellen, dass die Vögel, die am 4. Mai noch da waren, drei Tage später die Kolonie komplett aufgegeben hatten: "Sie waren definitiv gestört worden."

Nachdem zwei Hunde am 18. April zwei Stunden lang quer durch den ehemaligen Sommerpolder gerannt waren, hatten zudem 240 Sturmmöwen ihre Kolonie vorübergehend aufgegeben. Diese Woche kam eine fast einstündige Störung durch zwei entlaufene Hunde im Flinthörn dazu. Am Flinthörn brüten z.Zt. alle Seeschwalben Langeoogs und das allerletzte Sandregenpfeiferbrutpaar der Insel! Beide Arten sind sehr störungsempfindlich, ähnlich wie Säbelschnäbler.

Schließlich berichteten Gäste am 12. Mai von zwei Möweneinerdieben, die fast eine Stunde Unruhe in der Möwenkolonie verursachten und zudem durch das Brutgebiet von Kiebitz und Uferschnepfe liefen. Danach gaben in dem Gebiet die seltenen Schwarzkopfmöwen ihren Brutplatz auf.

Beim Küstenschutz ist jedem klar, dass ein einziges Loch im Deich reicht, um die Insel zu gefährden. Leider gilt ähnliches auch zunehmend für die Vogelwelt. Wenn am Festland immer schneller immer mehr Arten abnehmen, sind ihre verbliebenen Bestände auf den Inseln natürlich auch empfindlicher. Die große Zahl auf der Insel lebender Menschen, Katzen und Hunde kann die  Vogelwelt nur dann vertragen, wenn sich jeder einzelne so verantwortungsvoll wie möglich verhält.

Aber es ist nicht nur wichtig, die Folgen solcher Störungen zu beobachten. Auch das viele Engagement und alle, die Rücksicht nehmen, hinterlassen positive Spuren! Birte Weinbecker hat viele positive Entwicklungen festgestellt, die motivieren: "Langeoog ist FairTrade Insel geworden, wir haben nicht nur einen Bioladen, sondern mittlerweile auch eine Biobäckerei (FairTrade und Bio sind große Antworten auf negative Trends in aller Welt), wir hatten die größte Demo gegen CO2 Verklappung von allen Inseln, die „Strand-Klar“ Aktionen laufen seit Jahren… Jedem mögen dazu eigene Beispiele einfallen. Eine Insel, auf der so viel erreicht wird, kann es doch auch schaffen, dass die Säbelschnäbler in Ruhe brüten. Packen wir es an!"

«  Donnerstag-Special:...
 Steve & Gerrit vor dem Café...  »

Schriftgröße anpassen

Sollte der Text auf ihrem Gerät zu klein erscheinen, bietet Langeoog News in der Navigationsleiste auf der linken Seite über die Schaltfläche "AA" die Möglichkeit die Schriftgröße nach Ihren Bedürfnissen anzupassen.

Bedienung der Fotogalerie

Die Langeoog News-Fotogalerie öffnet man durch Klick auf eines der Vorschaubilder. Das Blättern durch die Bilder ist komfortabel auf verschiedene Arten möglich:

  • am Bildschirmrand gibt es Pfeile, auf die man klicken kann...
  • man kann die Pfeiltasten der Tastatur verwenden
  • man kann die Bilder zur Seite "wischen"

Das Schließen der Bildergalerie ist ebenfalls unterschiedlich möglich:

  • durch Klicken auf das X oben rechts in der Ecke
  • durch Drücken der Taste Esc auf der Tastatur
  • durch wischen des Bildes nach oben.

Neue Funktionen gibt es ebenfalls oben rechts in der Ecke:

  • Speichern der Bilder
  • Teilen auf Facebook und Twitter