Seenotbeobachtungsstation: Ära zu Ende

Am 16.04.2014

Die legendäre Seenotbeobachtungsstation der DGzRS auf Langeoog ist Geschichte. Um 15:05 Uhr schwebte der baufällige Container am Dienstag am Haken unter einem Seaking-Hubschrauber der Bundesmarine ans Festland nach Esens. Die Firma MB-Metallbau hatte zuvor bereits zahlreiche Bauteile demontiert, um das Gewicht zu reduzieren.

DGzRS und Marine hatten sich für den Abtransport zur Zusammenarbeit entschlossen, da die Station mit entsprechend tragfähigen Kränen oder vergleichbarem schweren Gerät wegen des unwegsamen Dünengeländes kaum erreicht werden kann. Für die Marineflieger ist dies ein willkommener Anlass, das vergleichsweise selten geübte Verfahren des Außenlast-Transports zu trainieren.

Die Marine nutzte die ideale Trainingsgelegenheit daher gleich für zwei Besatzungen und flog unter dem Kommando von Korvettenkapitän Sidney Gottwald Langeoog mit zwei Seaking-Hubschraubern von Nordholz an. Zunächst wurden am frühen Morgen jeweils zwei Crewmitglieder in Esens und auf Langeoog abgewinscht, die am Boden das Anhängen und Annehmen der Lasten übernehmen sollten. Anschließend wurden die Hubschrauber am Flugplatz Langeoog für die Transporte vorbereitet.

Den ganzen Tag über lag dann das Brummen der Rotoren in der Luft und viele Zuschauer verfolgten interessiert das außergewöhnliche Geschehen.

Wegen des kräftigen böigen Windes, der den Übungseffekt für die Piloten noch steigerte, wurden zunächst im Pendelverkehr Gitterboxen mit Bauteilen und Einrichtungsgegenständen ausgeflogen. Dazu flog der Hubschrauber den Umschlagplatz neben der Station extrem niedrig an, so dass die Rotoren sich neben der Station drehten. Nach dem Mittag hatte der Wind dann leicht nachgelassen, so dass der Transport des Containers durchgeführt werden konnte. Ebenfalls am Haken eines Hubschraubers, damals der Bundeswehr, war er vor über 25 Jahren aufgestellt worden.

Anschließend musste das Team von MB-Metallbau in Rekordzeit die Unterkonstruktion zerlegen und in Gitterboxen für den Transport verstauen.

Der Rückbau war jetzt notwenidig geworden, da die traditionsreiche Seenotbeobachtungsstation Langeoog, die bei vielen Gästen als Aussichtsplattform beliebt war, durch Rostfraß baufällig geworden war und die Erhaltung  für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), die aus ausschließlich aus Spenden ihre aufwändige Rettungsflotte in Nord- und Ostsee finanziert, zu teuer geworden. Aufgrund der technischen Weiterentwicklung ist die Station allerdings ohnehin bereits seit Ende der 1990er Jahre nicht mehr in ihrer ursprünglichen Funktion in Betrieb gewesen.

Neben den eigentlichen DGzRS-Rettungsstationen kam zur Gründerzeit des Seenotrettungswerkes im 19. Jahrhundert Beobachtungsposten an markanten Küstenpunkten eine wichtige Rolle im Seenotmeldewesen zu. „Tjard sin Utkiek“ (Tjards Ausguck) nennen die Langeooger bis heute die Stelle am Norderpad nahe des Pirolatals im Nordwesten des Ortes in den Dünen – nach Tjard Georg Mannott, der in so mancher Sturmnacht nach Schiffen in Seenot Ausschau hielt.

Auch nach Einrichtung der zentralen SEENOTLEITUNG BREMEN (MRCC = Maritime Rescue Co-ordination Centre) der DGzRS in den 1950er Jahren blieben die zuletzt SAR-Wachen (SAR = Search and Rescue, Suche und Rettung) genannten abgesetzten Beobachtungs- und Funkstellen wichtige Bindeglieder in der Alarmierungs- und Kommunikationskette im Seenotfall.

Als vorgeschobene Nachrichtensammel- und -vermittlungsstellen gaben sie eigene Beobachtungen, aber auch Meldungen Dritter weiter und dienten bei gestörtem oder schwachem Funkkontakt als Relais zwischen Havaristen, Seenotkreuzern und Seenotrettungsbooten sowie der zentralen SEENOTLEITUNG BREMEN. Der jetzt demontierte Container wurde 1987 mit Hilfe eines Bundeswehr-Hubschraubers aufgestellt und ersetzte seinerzeit eine baufällig gewordene Holzkonstruktion.

Mit der Weiterentwicklung der Funktechnik und dem Aufbau eines eigenen UKW-Betriebsfunknetzes sowie der Übernahme der Hörwache auf den international einheitlichen Funknotfrequenzen durch die Seenotküstenfunkstelle BREMEN RESCUE RADIO hat die DGzRS Anfang 1999 den Betrieb der SAR-Wachen eingestellt.

Die DGzRS hat die „Apfelsinenkiste“ bis Sommer 2013 noch für die Öffentlichkeitsarbeit genutzt. Besucher konnten sich dort über die Arbeit der Seenotretter informieren. Die Inselgemeinde Langeoog und die Kurverwaltung möchten den Aussichtspunkt mit dem Traditionsnamen „Tjard sin Utkiek“  in einer ansprechenden neuen Form gern wieder erneuern. Dazu werden in Kürze erste Entwürfe präsentiert. Die Realisierung soll mit Hilfe einer Sponsoring-Aktion umgesetzt werden.

Für Langeoog geht dennoch eine Ära zu Ende und ein beliebtes und weithin sichtbares Wahrzeichen wird der Insel fehlen. Virtuell kann man sie weiterehin über die 360°C-Panoramen von Langeoog-360 besuchen...

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