Regionales Food-Konzept für Langeoog

Am 14.03.2018 Von: Mayk D. Opiolla

In Zeiten der Globalisierung wächst als Gegentrend die Sehnsucht nach Heimat, "hygge" und Regionalität — auch im Bereich "Essen und Genießen". Auch auf Langeoog ist die Nachfrage groß, doch wie sieht es mit dem Angebot aus? Im Rahmen eines "Food-Seminars" zum Thema gingen Langeooger Unternehmer sowie einige Erzeuger aus der Region dieser Frage nach. Eingeladen wurde vom Tourismus Service Langeoog; durch die Veranstaltung führte Stefanie Rothenhöfer von The Food Entrepreneurs Club aus Berlin. 

Seit Jahren zeichnet es sich ab: Der Mensch, in einer sich immer schneller drehenden Welt, in Zeiten der globalen Vernetzung und Internationalisierung, sucht die Rückbesinnung auf eigene Wurzeln, Werte, Traditionen. Altes Handwerk wie Spinnen oder Weben kommt wieder in Mode, Selbermach-Trends entstehen an allen Ecken und abends geht auch der Großstadtbewohner nicht mehr zur Afterwork-Party, sondern macht es sich daheim mit der Familie gemütlich; dazu gibt es Selbstgekochtes mit Zutaten aus dem eigenen Beet oder vom netten Bauern aus der Region. Immer mehr Restaurants stellen auf regionale Küche um, setzen auf Nachhaltigkeit und kochen strikt saisonal. "Clean Eating" ist angesagt — "Einfach" im positiv besetzten Sinne soll die Küche sein, d.h. transparent von Erzeugung bis Herstellung, qualitativ hochwertig und nachvollziehbar.

Und der Kundschaft gefällt das, selbst wenn es bedeutet, dass eben nicht mehr alles zu jeder Jahreszeit in beliebigen Mengen gegessen werden kann. Manche Restaurants sind inzwischen so strikt, dass sie sogar "Standards" wie Olivenöl oder Zitronen aus der Küche verbannen — weil Oliven und Zitronen hier nicht wachsen. "Verknappung weckt Interesse", erläutert dazu Food-Expertin Rothenhöfer. 

Michael Recktenwald, mit seinem Restaurant "Seekrug" seit 25 Jahren der Regionalen Küche von Herzen gerne verpflichtet, bestätigt das: "Natürlich verliert man manchmal einen Kunden, wenn man ihm sagt, dass es statt des erwünschten argentinischen Steaks eben nur Tafelspitz vom heimischen Rind gibt oder fünf Minuten vor Ladenschluss keine 18 Sorten Kuchen mehr vorrätig hat, weil man nicht so viel wegwerfen kann. Aber man gewinnt dann häufig zwei neue dazu, die genau das zu schätzen wissen." 

Auch auf Langeoog besteht laut einer Studie des TSL eine hohe Nachfrage nach Regio-Food, das Angebot sei aber noch überschaubar. Die Referentin konstatierte diesen Eindruck. Zwar fiele ihr die Werbung für Langeoog als Fairtrade-Insel auf, aber ansonsten sei das Thema Nachhaltigkeit im öffentlichen Bild noch unterrepräsentiert. Die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer bekundeten mit ihrer Teilnahme großes Interesse daran, das künftig zu ändern. Im Rahmen des Seminars, das auch eine Verköstigung und Präsentation dreier Erzeuger aus der Region mit Kapazitäten für die Inselbelieferung umfasste, informierten sich diese über Vermarktungsmöglichkeiten, Konzepte anderer Betriebe, alternative Einkaufsmöglichkeiten und suchten den Erfahrungsaustausch untereinander. 

Unter den Anwesenden war Miriam de Marco, Inhaberin des „Boramar“ am Hauptbad. Sie strebt eine Umstellung einiger Produkte auf „regional“ an und legt, beispielsweise beim Verpackungsmaterial, schon jetzt viel Wert auf Nachhaltigkeit. Vom „23 Meter“, das auch die Räumlichkeiten stellte, fanden sich Geschäftsführer Ron Piekarski, Restaurantleiter Toni Schmidt, Küchenchef Falko Sowinski sowie die stellv. Küchenchefin Jana Prellwitz ein. Der Direktor des VCH Ferien- und Tagungszentrum Bethanien, Hans-Jürgen Haller, erläuterte, dass das „C“ in VCH für „Christlich“ auch für Nachhaltigkeit stünde, für einen achtsamen Umgang mit der Schöpfung. Daher fühle auch sein Betrieb — ausgezeichnet mit der DEHOGA-Umweltzertifizierung in Gold — sich dem Gedanken der Regionalität und Nachhaltigkeit seit über einem Jahrzehnt verpflichtet. Für das Bio-Hotel "Strandeck" kam Maike Recktenwald hinzu. 

Den Tourismus Service Langeoog respräsentierten Marlies Eggers, die auch die Anmoderation übernahm, Franziska Braun sowie Tourismusmanager Hinrik Dollmann, der über besondere Herausforderungen der Insel-Logistik in Zusammenhang mit kleinen, regionalen Betrieben referierte. 

Der TSL strebt zum Themenkreis "regional und nachhaltig" den Aufbau eines Erzeugernetzwerkes sowie ein stringentes, vielschichtiges und auf die Insel maßgeschneidertes Marketingkonzept an. Zusätzliches Highlight soll ein halbjährlich erscheinendes Magazin werden, das sich nicht nur mit mit Essen und Genießen sowie Tischkultur im weiteren Sinne (Deko, Traditionen, Rezepte) befasst, sondern vor allem auch viel Platz für Hintergründe zu den regionalen Lebensmitteln und ihrer Erzeugung bietet. Erzeuger und Gastronomen können ihre Betriebe darin einem esskulturaffinen Publikum präsentieren. Das Magazin wird an anderer Stelle noch separat präsentiert werden — die ersten Entwürfe sind bereits gesetzt. Das angestrebte Layout soll dabei mit frischer, zeitlos-ästhetischer, aber doch bodenständig wirkender Grafik und Typographie überzeugen und so mithelfen, eine zeitgemäße Insel-Gastronomie auf Langeoog zu etablieren. 
Die anschließende Diskussion zeigte, dass zwar alle von der vorhandenen Nachfrage überzeugt waren, allerdings sei es noch ein weiter Weg, um die Menschen von diesem Konzept in aller Konsequenz zu überzeugen. Küchenchef Falko Sowinski erläuterte das an einem illustrativen Beispiel: "Wenn ich "Schweineschnauzensalat" auf die Karte setze, um der "nose to tail"-Maxime zu folgen, bei der jedes Teil vom Tier verwertet werden soll, denkt eine Hälfte "Igitt" und die andere "Interessant, aber ich nehme doch erst einmal etwas, das ich kenne." 
Hans-Jürgen Haller fügte an, dass das Kochen traditioneller Gerichte wie Rouladen oder Königsberger Klopse zudem Erfahrung voraussetze und im hektischen Saisongeschäft schwer anzulernen sei. Michael Recktenwald stimmte dem zu und betonte, dass derartige Gerichte oft nachgefragt würden, es aber kaum Angebote dazu auf der Insel gäbe.

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