Die Pfeife aus dem Priel

Am 10.02.2018 Von: Herbert Grohmann

Gab es bei der Kaiserlichen Marine Pfeifen? Sicherlich, an Bord gab es Dampfpfeifen, Bootsmannspfeifen – und auch Tabakpfeifen. Zigaretten rauchen war damals eher in Offizierskreisen verbreitet, die Mannschaften rauchten aus der Pfeife. Kronprinz Wilhelm z.B., Kommandant der 5. Armee, der die Nähe zur Truppe suchte und bei den Soldaten durchaus beliebt war, verteilte bei seinen Besuchen hinter der Front gerne mal Zigaretten. Zum Weihnachtfest 1915 aber bekam jeder Soldat eine Porzelanpfeife mit dem Abbild des Prinzen geschenkt – sozusagen den Kronprinzen zum anfassen. Auch auf alten, eher privaten Fotos mit Marinern des Kaisers posieren nur wenige ohne eine Tabakpfeife im Mund. Sie gehörte zum Alltag der Soldaten. Und dass so eine Pfeife durchaus auch außenbords gehen konnte, dazu braucht es nicht viel Phantasie.

Tabakpfeifen wurden am Strand von Langeoog schon mehrere gefunden, zuletzt bei der Strandaufspülung vor dem Piroltal im vergangenen Sommer. Meist waren es Allerweltsmodelle, mit mehr oder weniger durchgebissenem Mundstück, mehr oder weniger lange im Wasser der Nordsee gelegen.

Eines dieser Fundstücke aber, von der Familie Bents bei einem Ausflug ans Ostende der Insel in einem Priel entdeckt, gab nach der Reinigung vom anhaftenden Schlick auf dem Holm eine Inschrift frei, die schließlich auch verschiedene Museen beschäftigte. "Imperator - Kaiserl. Marine" kann man im Streiflicht entziffern, der Schriftzug durch den langen Aufenthalt im Wasser beinahe unleserlich.

Schiffe mit dem Namen "Imperator" gab es zwei. Die "Imperator" lief im Frühjahr 1897 bei den Stettiner Oderwerken mit der Baunummer 464 für die Stettiner Dampfschiffs-Gesellschaft vom Stapel. Bis zum 8. August 1914 fuhr sie auf der Ostsee als Passagierschiff im Liniendienst, danach war sie – von der Kaiserlichen Marine erfasst – bis zum Ende des Ersten Weltkrieges als Hilfslazarettschiff "D" mit 156 Krankenbetten und 26 Mann Sanitätspersonal im Einsatz.

Der "Imperator", auf ausdrücklichen Wunsch seines menschlichen Pedants, Seiner Majestät Kaiser Wilhelm II, entgegen aller seemännischen Tradition ein "Er" und keine "Sie", wurde bei der AG Vulcan in Hamburg gebaut und lief am 23. Mai 1912 vom Stapel. Er war das Typschiff der Imperator-Klasse, die Antwort der HAPAG auf den Bau der "Titanic", das erste Schiff mit über 50.000 BRT und immerhin bis 1914 das größte Schiff der Welt.

Bei Ausbruch des Krieges wurde er aufgelegt und in Hamburg an die Kette genommen. Als Reparationszahlung der Deutschen diente das Schiff nach Kriegsende der US Navy bei der Rückverlegung amerikanischer Soldaten als Truppentransporter; danach ging es in den Besitz der Cunard Line und fuhr als die "Berengaria" bis 1938 im Nordatlantikdienst.

Nun eine Verbindung zwischen einer Pfeife mit dem Stempel "Imperator / Kaiserl. Marine" und einem Nordatlantik-Liner der HAPAG herzustellen, schien nicht plausibel. Eher bot sich dazu das Lazarettschiff an, das immerhin während des gesamten Ersten Weltkrieges im Dienst der Marine stand. Doch die genauere Bestimmung der Pfeife gestaltete sich schwieriger als angenommen. Die zunächst um Expertise gebetenen Marine- und Militärhistorischen-Museen liegen bereits in der Altersbestimmung des Fundstückes um über 100 Jahre auseinander. "Es handel sich vermutlich ... um eine moderne Pfeife ... Die Bestempelung des Pfeifenkopfes sind sicherlich nur Modellnamen. Ziemlich sicher ist, dass die Pfeife keine 20 Jahre alt ist und nichts mit der Kaiserlichen Marine zu tun hat", meldete sich der Diplomhistoriker eines Instituts, während ein Kollege aus Dänemark ein Souvenier für die Besatzungen eines der beiden Schiffe auf den zugesandten Fotos erkennt.

Die Urteile der angeschriebenen Pfeifenmuseen fallen ähnlich aus. "Leider können wir dazu nichts sagen ... Das Mundstück sieht aber recht neu aus", lautet eine Einschätzung, während sich ein Kollege aus England sicher ist: "... it is definitely a historic piece." Etwas präziser anhand des Vergleichs mit ähnlichen Stücken aus der eigenen Sammlung äußert sich das Pijpenkabinet Amsterdam: "1920 -1930, German or French made."

Das Ergebnis ist unbefriedigend. Es liegt nahe, weitere Nachforschungen abzubrechen. Da liefert ein Pfeifenmuseum, das sich selbst nicht auf eine Altersbestimmung festlegen möchte, einen vielversprechenden Tipp. Der Pfeifenhistoriker und -hersteller Anton Manger könne in solch schwierigen Fällen eventuell weiterhelfen.

Nach einer ersten Kontaktaufnahme werden noch einmal Detailfotos angefertigt und Herrn Manger zugesendet. Drei Tage später liegt das Ergebnis seiner Nachforschungen vor: "... um Ihnen mit Ihrer Pfeife weiterzuhelfen habe jetzt in meiner riesigen Menge Unterlagen den Katalog der Pfeifenfabrik C.H. Bock Söhne, Lügumkloster gefunden. Die Firma wurde im Jahre 1859 gegründet und war einmal eine der größten Pfeifenfabriken in Deutschland. Seit 1919 gehört das Gebiet (ein Streifen) zu Dänemark.

Wann die Firma die Fabrikation von Pfeifen eingestellt hat, konnte mir auch die Lügumkloster Kommune auf meine Anfrage vom April 1996 nicht mitteilen ... In dem mir vorliegenden umfangreichen Katalog sind derart viele Pfeifen wie Ihre abgebildet. Hergestellt aus Buchenholz, aus Zwetschgenholz und auch Bruyere. Ebenso sind die Pfeifen mit verschiedenen Mundstücken versehen.

Nach meinen Unterlagen hatte die Firma auch Musterlager in Hamburg Görttwiete 1 und in Kopenhagen Laxegade 19.

Allerdings ist in dem Katalog nicht beschrieben, dass Pfeifen auch an die Kais. Armee geliefert wurden (extra mit dem Stempel versehen).

Also möglich ist es, dass die von Ihnen gefundene Pfeife von der Fa. C.H. Bock -Söhne stammt."

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