Die Müllsammler beim Strandkorbschuppen

Am 26.07.2018 Von: Herbert Grohmann

Wer sich auch nur ein wenig mit dem Thema befasst hat weiß, dass das niedliche Wörtchen „entsorgen“ eine gefährliche Verharmlosung dessen ist, was weltweit immer mehr Sorgen macht: Unser Müll, speziell Müll im Meer. Die Menschheit scheint sich zum Ziel gesetzt zu haben, ihren Heimatplaneten in eine einzige Müllhalde zu verwandeln.

Umso erfreulicher ist, dass sich immer wieder – und weltweit immer mehr – Menschen zusammenfinden, die nicht lamentieren sondern handeln. Drei davon waren gestern vormittags am Strandkorbschuppen anzutreffen.

Melanie Strutz, Maschinenbau-Studentin im Praxissemester, Erich Groeves, Ingenieur für Verfahrenstechnik und seit 30 Jahren mit dem Thema Müll befasst, sowie Dr. Rüdiger Stöhr, Mikrobiologe und Analytiker beim Verein „One Earth - One Ocean e.V.“, waren im Rahmen eines Projektes dieses Vereins auf der Insel, um Müll vom Strand zu untersuchen.

Plastik wird weltweit nicht unter dem Gesichtspunkt der Wiederverwertbarkeit hergestellt. Herstellungskosten und allenfalls spezielle Verwendungsmöglichkeiten spielen bei der Produktion von über 4.000 Plastiksorten die Hauptrolle. Dies führt zwangsläufig zu einem Problem: Wachsende Berge von Plastikmüll. Selbst Deutschland mit seinem beispielhaften Mülltrennungs- und Sammelsystem (und nebenbei auch Weltmeister im Verpackungswahn) steht da vor einer gewaltigen und stinkenden Aufgabe. Jahrelang wurden diese Überreste zivilisierter Hinterlassenschaften auf Schiffen nach China exportiert. Doch inzwischen ist der asiatische Kontinent allein für über 50 % des weltweiten Plastikmülls in den Ozeanen verantwortlich, Tendenz steigend. China hat den Müll-Import mit sofortiger Wirkung gestoppt.

Nun wäre das Beste, Plastikmüll zu vermeiden, wo es nur irgend möglich ist. Doch nach einer großen Wende sieht es – trotz der großen Medienpräsenz des Themas – nirgendwo aus. Allein zwischen Nordamerika und Asien treibt inzwischen ein Plastikstrudel mit einer Größe der 4,5fachen Fläche der Bundesrepublik. Er wird täglich größer, und der größte Teil des Plastikmülls ist nicht schwimmfähig und sinkt auf den Grund, bis in die Tiefseegräben. Die Auswirkungen auf Tier und Mensch durch die Nahrungskette sind noch unerforscht.

Da sieht die Arbeit der Drei, die den Müll aus den Strandmüllboxen sieben, untersuchen und sortieren wie die Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen aus. Sie sind auf der Suche nach verwertbaren Plastikresten, genauer nach Plastik, das sich verölen lässt, recyclen zu dem Stoff, aus dem es einst entstanden ist – Erdöl. Und das sind nur drei Sorten: Polyethylen, Polypropylen und Polyethylenterephtalat – PE, PP und PET.

Noch ist das Ganze im Versuchsstadium. Die geschätzt 150 bis 200 Kilo separierter Plastikmüll vom Strandkorbschuppen werden nach München transportiert, gewaschen und zu Flocken geschreddert. Dann geht es in die Pilotanlage: Back to the roots. In kleineren Mengen funktioniert es bereits. Die Drei haben schon auf Sylt und auf Föhr Müll gesammelt. Dort kamen 23 Kilo zusammen, die in Öl zurückverwandelt wurden.

Doch nun haben Melanie Strutz, Erich Groeves und Rüdiger Stöhr Größeres vor. Sie brauchen verlässlichen Nachschub für die Verölungsanlage, mindestens einen Vorrat von 1.000 Kilo verwertbarem Plastik. Ob die Nordsee als Lieferant dazu geeignet ist, ist noch offen, denn die Nordsee ist Dank seiner speziellen geographischen Lage mit ziemlich schmalen Zugängen zum Atlantik (noch) ein relativ sauberes Meer. Aber sie liegt näher als andere Seegebiete, wo man innerhalb weniger Stunden die benötigte Menge aus dem Meer fischen könnte. Denn sie brauchen „nur“ das, was schwimmt, denn das sind hauptsächlich PE, PP und PET. Das würde das Sortieren erheblich vereinfachen.

Ziel des Projektes ist eine weltweit operierende Sammelflotte. Ähnlich wie die großen Walfangflotten in den 1930er Jahren würde ein Mutterschiff – es hat die Reinigungs-, Schredder- und Verölungsanlagen an Bord – von einer ganzen Flotte von Sammelschiffen, die ihren „Fang“ dort abliefern, begleitet. Die Schiffe wären überall auf den Weltmeeren einsetzbar. Ausgereift sollen Planungen und die benötigten Anlagen bis 2025 sein.

Das kostet natürlich eine Menge Geld. Doch sie blicken zuversichtlich in die Zukunft. Durch großzügige Spenden von privaten Sponsoren und Stiftungen sind bisher die benötigten Summen zusammengekommen, die den Bau der ersten Versuchsschiffe möglich machten. Die „Seekuh“, ein Sammelschiff, das zuletzt vor Hongkong im Einsatz war, um dort mit Schulklassen auf das Problem Vermüllung der Weltmeere aufmerksam zu machen, wird gerade zurückgeholt. Sie soll in er Nordsee auf Fangfahrt gehen.

Wünschen wir uns, dass sie von allen Seiten weiterhin alle mögliche Unterstützung erhalten, bis die Fangflotte in See stechen kann. Müll geht uns alle an.

 

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