Seit 90 Jahren Gast auf Langeoog

Am 12.08.2017 Von: Mayk D. Opiolla

Seit schier unglaublichen 90 Jahren reist Brunhilde Kirchhübel nach Langeoog. Langeoog News erzählte sie, wie sich der Tourismus auf der Insel im Laufe der Jahrzehnte gewandelt hat und was sie so sehr an die Insel bindet. 

Es gibt viele Stammgäste auf Langeoog. Viele Familien kommen teilweise seit Generationen auf die Insel; Menschen heiraten hier, werden hier getauft oder bleiben für immer. Aber dass jemand seit neunzig Jahren auf die Insel kommt, lediglich unterbrochen durch die Kriegsjahre — das hat auch auf Langeoog Seltenheitswert. 

Brunhilde Kirchhübel ist so ein Gast. 1925 in Bochum geboren, kam die heutige Rentnerin erstmals als Zweijährige auf die Insel. Der Bergbau gab damals noch vielen Menschen im Ruhrgebiet Brot und Arbeit, kaum eine Familie, die nicht jemanden hatte, der unter Tage "malochte". Entsprechend war aber auch die Luft: Die legendäre "Asche aufm Kragen", die man in Ruhrgebietsstädten stets mit sich herumtrug, war zwar einerseits identitätsprägend, andererseits aber auch grob gesundheitsschädigend. Und so sahen viele Eltern — unter anderem auch die Eltern von Frau Kirchhübel — zu, dass die Kinder einmal im Jahr gute Luft bekamen. Und wo ging das besser als auf Langeoog? 
"Man hatte damals nicht viel", erzählt Frau Kirchhübel, "aber auf diese drei Wochen wurde gespart. Und meine drei Brüder und ich hatten hier immer eine schöne Zeit." 

Mit Ausbruch des Krieges war die unbeschwerte Zeit vorbei. Mit Kriegsbeginn verließ die damals 13jährige Brunhilde das Ruhrgebiet; die Schule wurde nach Pommern verlegt, wo sie 1944 auch Abitur machte. Eine Ausbildung war im Anschluss leider nicht möglich: Harter Arbeitsdienst stand bis zum Kriegsende für die jungen Frauen an, größtenteils in der Landwirtschaft. Langeoog aber vergaß Frau Kirchhübel nie. 
Und so kehrte sie mit ihrem späteren Mann und den beiden Söhnen alsbald zurück. 

Einer der Söhne, Dr. Jan Kirchhübel, begleitet sie auch zum Interview und schwelgt mit seiner Mutter gemeinsam in Erinnerungen an die frühen Familienurlaube. Insbesondere die vielen Sportmöglichkeiten begeisterten alle: "Das Sportabzeichen war ein Zugpferd", berichtet die Seniorin. Auch der Sohn erinnert sich: "Für die Schwimmprüfungen sprangen wir damals von den Duckdalben ins Hafenbecken, was heute natürlich völllig undenkbar und brandgefährlich wäre. Aber damals gab es noch keine andere Möglichkeit, denn auch das Hallenbad war noch nicht gebaut." Das Sportfieber hatte die Familie gepackt: "Sogar ich legte Sportabzeichenprüfungen ab, ebenso wie mein Mann, obwohl dieser Kriegsversehrt war. Aber das gehörte einfach dazu", ergänzt Frau Kirchhübel. 
Generell musste man für einen Inselurlaub damals sportlicher sein als heute, denn alles wurde zu Fuß erledigt: Fahrradverleihe gab es noch nicht. 

Was aber waren nun die einschneidenden Veränderungen, rückblickend betrachtet? Zunächst war die Saison früher sehr kurz. "Es gab keine Heizmöglichkeiten, keine Daunendecken. Daher konnte man wirklich nur im Sommer zu Gast sein". Hinzu kam die engere Bindung an die Pensionswirtinnen und -wirte. Teils wurden ja einfach nur Zimmer in Privathäusern vermietet, wo man mitunter mit den Gastgebern abends noch um den Küchentisch saß, beim Bohnenputzen half, und im Gegenzug natürlich wesentlich mehr vom "echten" Leben der Inselbewohner mitbekam als heute. 

Erst in den siebziger Jahren setzten sich die Ferienwohnungen, wie man sie heute kennt, durch — und auch Familie Kirchhübel wechselte zu dieser Zeit von den bisherigen Pensionen und Fremdenzimmern in diese Unterkunftsart, allein schon, weil die Familie stetig wuchs. 

Inzwischen hat die Familie selbst eine Wohnung auf Langeoog gekauft, die sie aber nur selbst nutzt und nicht fremdvermietet. 

Als einen weiteren Marker in Bezug auf die größten touristischen Veränderungen macht Brunhilde Kirchhübel "das viele Geld" aus, das in den letzten Jahren nach Langeoog gebracht würde. Hinzu komme die veränderte Motivation vieler Gäste, nach Langeoog zu reisen. Standen früher eher Gesundheitsaspekte im Vordergrund, so reise man heute eher zum Vergnügen, was sich auch an der Infrastruktur abzeichne: All die vielen Restaurants und Freizeitangebote — das habe es früher nicht gegeben. 

Und eine Frage musste zum Schluss des spannenden Interviews mit dieser Zeitzeugin natürlich auch noch gestellt werden: Wie war das denn mit Lale Andersen? 
"Ja, die haben wir natürlich gesehen", erinnert sich Frau Kirchhübel deutlich, "in der Strandhalle hat sie oft gesungen und fuhr dort immer mit einer Kutsche vor. Eine tolle Atmosphäre war das; wir haben dort wunderschöne Abende verbracht". Ein sehr junges Lächeln huscht über das Gesicht der 92jährigen, als sie das erzählt. 
Heute wohnt Brunhilde Kirchhübel in Hamburg. Aber ein bisschen Wind von Langeoog — der umweht sie wohl immer. 

 

 

 

 

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