Ein Mord für Eva Sturm: Moa Graven im Interview

Am 17.07.2017 Von: Mayk D. Opiolla

Der Regionalkrimi boomt: Schriftstellerin Moa Graven im Interview über die Faszination ihres Genres und die mörderische Schönheit von Langeoog.

Mit ihrer Reihe um Kommissarin Eva Sturm, die auf Langeoog ermittelt, ist Moa Graven bei vielen Langeoog-Fans bekannt. Aber die Insel ist nicht nur Schauplatz dieser Bücher: Auch eine erste Verfilmung des Stoffes wurde auf Langeoog gedreht.
Für Langewoog News beantwortete Moa Graven einige Fragen.


Das Genre „Regionalkrimi“ boomt derzeit. Warum haben Sie sich dazu entschlossen, dieses Feld ebenfalls zu bedienen — trotz der starken Konkurrenz?

Es war weniger ein Entschluss, sondern purer Zufall, als ich 2013 einen Fortsetzungskrimi für ein Monatsmagazin schrieb. Damals erfand ich meinen ersten Ermittler Kommissar Guntram, der in Leer arbeitet. Durch die große positive Resonanz der Leser fing ich überhaupt an, weiter Krimis zu schreiben. Und dann entdeckte ich praktisch meine Leidenschaft für das subtile Verbrechen, wenn man so will und jetzt kann ich gar nicht mehr aufhören, zu morden.


Abgesehen vom hohen Marktanteil in der Belletristik — was macht für Sie den besonderen Reiz des Krimischreibens aus? 

Mir macht es Spaß, gebrochene Charaktere zu entwickeln, die manchmal eher durch Zufall oder aus der eigenen emotionalen Not heraus zu Tätern werden. Ich spiele gerne mit psychologischen Aspekten. Und auch meine Ermittler arbeiten oft am eigenen Limit, sie haben Probleme und diese werden auch ausdiskutiert. Der Leser blickt hinter die Kulissen aller Protagonisten. Und so ganz nebenbei entwickelt sich ein spannender Krimi, wo die Leser oft über das Ende erstaunt sind, weil sie nicht damit gerechnet hätten, dass dieser oder jener der eigentliche Täter ist.


Würden Sie sich gerne auch einmal an einem anderen Genre versuchen?

Darüber habe ich auch schon oft nachgedacht. Mal so ein richtig dickes Buch über eine Familiengeschichte zu schreiben voller Emotionen und Ereignissen. Und dann schreibe ich doch wieder am nächsten Fall für eine meiner vier Ermittler-Reihen. Ich kann einfach nicht anders, weil sich ja auch das Leben der Ermittler weiterentwickelt. Das spukt mir dann im Kopf herum und muss niedergeschrieben werden.


Sie haben auch eine Verfilmung Ihres Stoffs in Auftrag gegeben bzw. agieren demnächst als Co-Produzentin. Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen filmischem und prosaischem Erzählen?

Ja, es stimmt. Bei der Verfilmung des zweiten Falls mit Eva Sturm auf Langeoog werde ich neben Bastian Kramer, der den ersten Fall für Eva Sturm produziert hat, als Co-Produzentin mitwirken. Der Unterschied zum Buch ist wohl die ganz andere Arbeitsweise. Beim Buch sitze ich alleine an meinem Rechner und denke mir etwas aus. Da höre ich oft nur Vogelgezwitscher oder die Kaffeemaschine. Während beim Film viel mehr Trubel herrscht. Tausend Leute, viele Stimmen und Kameras. Da kann schon mal Hektik aufkommen, die ich beim Schreiben nie erlebe. Beim Dreh auf Langeoog war ich im letzten Jahr zeitweise dabei und da dachte ich schon, das könnte mich auch reizen, mal einen Film zu drehen.


Wie kam es zur Entscheidung, Ihre Eva-Sturm-Reihe ausgerechnet auf Langeoog spielen zu lassen? Was verbindet Sie mit genau dieser Insel?

Schon, seit ich das erste Mal auf Langeoog war, gehörte diese kleine Insel zu meiner liebsten aller ostfriesischen Inseln. Und als ich meine Eva Sturm erfand, da brauchte ich einen Ort, um sie anzusiedeln. Ich las bei der Recherche im Internet, dass die Polizeistation auf Langeoog Ende 2014 wieder besetzt worden war. Und schon war mir klar, wo Eva arbeiten wird.


Was meinen Sie, fesselt so viele Leser_innen an Küsten-Krimis? Ist es der Kontrast zwischen Idylle und Grausamkeit? Sind es die Ecken und Kanten der Norddeutschen, mit denen sich gut Protagonist_innen zeichnen lassen? 

Ich denke, dass viele Menschen, die irgendwo in Großstädten leben, sich nach einem Ort sehnen, wo es schön und ruhiger ist. Das Meer übt zudem schon immer eine große Faszination aus, die sich schwer beschreiben, sondern eher fühlen lässt. Und wenn Leser die ostfriesischen Inseln und die Küste lieben, dann werden sie auch die Krimis lesen. Dadurch sind sie immer dort, wo sie selber gerne wären. Wenigstens in der Fantasie.


Sie verlegen selbst und produzieren auch Ihre Filme selbst: Das ist, zusätzlich zum Schreiben, eine Menge Arbeit. Wie motivieren Sie sich zur Bewältigung dieses Pensums?

Als ich begann, Krimis zu schreiben, wollte ich es gar nicht selber machen. Ich suchte nach einem Verlag, fand aber keinen. Na ja, und so eine Erfahrung spornt mich an. Dann mache ich es eben selbst, dachte ich. Und mittlerweile war es sicher auch die richtige Entscheidung, weil ich eine Vielschreiberin bin, die andere Verlage sicher überfordern würde. Manchmal fühle ich mich wie die Pippi Langstrumpf des Krimis, ich mache, was mir gefällt. Das ist auch ein Stück Freiheit, den ich nicht mehr missen möchte. Meinen Bürojob habe ich an den Nagel gehängt und bin seit dem 01.07.17 Vollzeit-Krimiautorin, Verlegerin und bald auch Filmproduzentin. 


Sie haben den Traum von einem Leben als Schriftstellerin hartnäckig verfolgt. Was würden Sie Menschen raten, die dies ebenfalls in Angriff nehmen möchten?

Das wichtigste ist, dass man selber an sich glaubt. Hätte ich meinen Kopf in den Sand gesteckt, als Verlage meinen ersten Krimi ablehnten, dann wäre ich heute nicht dort, wo ich bin. Wenn man etwas gefunden hat, das einen glücklich macht, dann sollte man daran festhalten.


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