Ausstellung zur Inselversorgung

Am 04.06.2012

"Reif für die Insel“, was nach einem Werbeslogan für ein Urlaubsparadies klingt, ist der Titel einer Ausstellung im Carolinensiel, an deren Eröffnung auch Langeoogs Bürgermeister Uwe Garrels teilnahm. Sie bietet Antworten auf die Frage, was die Abgeschiedenheit auf den ostfriesischen Inseln für die Bewohner und die Wirtschaftsbetriebe bedeutet, die vom Tourismus abhängig sind?

Das Deutsche Sielhafenmuseum und das Seminarfach „Reif für die Insel“ an der Alexander-von-Humboldt-Schule in Wittmund sind seit dem Schuljahr 2010/11 dieser Frage nachgegangen. Gemeinsam untersuchten Schüler, Lehrer und Wissenschaftler die Themenfelder Fracht- und Fährverkehr sowie Mensch und Natur auf den drei vorgelagerten Inseln Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge. So erfuhren sie u.a., dass die ersten Badegäste von offenen Segelschiffen auf die Inseln gebracht wurden und weit vom Strand entfernt im Wasser in Pferdewagen umsteigen mussten, weil es noch keine Anleger gab.

Auch Fracht wurde im Watt vor den Inseln von den trockengefallenen Plattbodenschiffen in einen Wattwagen umgeladen, der die Waren ins Inseldorf  brachte. Bis Spiekeroog 1949 an das Stromnetz angeschlossen wurde, produzierte eine Insulanerin Strom mit einem Dieselaggregat. Um 22.00 Uhr schaltete sie den Strom ab. Damit alle Inselbewohner gewarnt waren, machte sie eine Viertelstunde zuvor kurz den Strom aus.

Eine Besonderheit auf den Inseln ist außerdem, dass es wenig Bildungsangebote und bis auf eine Privatschule auf Spiekeroog keine Gymnasien gibt. Wie in kleinen Dorfschulen werden die Kinder zum Teil klassenübergreifend unterrichtet.

Diese und viele andere weitere spannende Informationen habe Schüler und Museumsmitarbeiter zu einer großen Sonderausstellung zusammengestellt. Die Ausstellung kann das unerschöpfliche und stets aktuelle Thema nur annäherungsweise wiedergeben. Doch sie macht deutlich, welch logistischer und materieller Aufwand nötig ist, um Bewohner und Gäste mit unserem gewohnten Komfort auf der Insel zu versorgen. Wie leicht die Versorgungskette durch die Naturgewalten unterbrochen werden kann, hat die zeitweilige Einstellung des Schiffsverkehrs wegen der Eislage im Februar 2012 gezeigt.

Die Ausstellungsstücke stammen zum größten Teil von den Inseln und wurden von Museen, Gemeindeverwaltungen und Privatleuten bereitwillig zur Verfügung gestellt. Darunter befinden sich viele Modelle der Fähr- und Frachtschiffe vergangener Jahrzehnte, genauso wie Souvenirs und Bäderführer aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts. Ergänzt werden die Informationen durch Filmausschnitte der Interviews, die die Schüler mit verschiedenen Fachleuten auf den Inseln und in den Küstenorten führten. Eine Hörstation befindet sich in der originalen Kajüte einer Tjalk von 1912, ein für die Küstenregion typisches Frachtschiff.

Die Ausstellung ist täglich von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr bis zum 4. November 2012 geöffnet

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