Als auf Langeoog die Kirchenglocken Alarm läuteten

Am 17.02.2017 Von: Herbert Grohmann

Ende Dezember 1962 herrschten im gesamten nördlichen Europa stürmische Westwind-Wetterlagen, die sehr viel Wasser aus dem Europäischen Nordmeer in die Nordsee drückten und in deren Folge mehrere Sturmfluten auf die deutsche Küste zuliefen.

Am Donnerstag, dem 15. Februar 1962, wurde von Norddeich Radio abends um 21 Uhr dann erstmals eine Sturmflutwarnung mit Stärke 9 für die gesamt Nordseeküste herausgegeben, und in allen Küstenhäfen wurden die Sturmsignale gesetzt. In der Nacht auf den 16. Februar erreichte dann ein Orkantief die Nordsee, sodass in den Morgenstunden Warnungen vor einer gefährlichen Sturmflutlage ausgegeben wurden. Gegen Mittag drehte der Orkan von südwestlichen auf nordwestliche Richtungen und erreichte gegen Abend in Böen Windstärken von über 12 Beaufort, begleitet von Gewittern und Schneeschauerregen. Trotz der ab Mittag einsetzenden Ebbe entsprach der Wasserstand bei Niedrigwasser ungefähr dem bei normalem Tidehochwasser. Mit dem Wiederauflaufen der Flut wurden überall rasch steigende Wasserstände gemessen, die bald zu kritischen Situationen an den Seedeichen und auf den Inseln führten.

Gegen 21 Uhr wurde auf Langeoog Alarm ausgelöst. Alle Sirenen heulten und die Kirchenglocken läuteten. Das war das Signal für alle im Dorf. Selbst die Schüler aus dem Internat kamen, um zu helfen, alle verfügbaren Säcke mit Sand zu füllen. Einzelne Wellen liefen stellenweise bereits über die Deichkrone.

"Das war ein Sturm, der war so stark, wie wir da hingegangen sind zum Strand durch die Friesenstrasse, da kamen wir nicht gegen an. Rückwärts sind wir gegangen und haben uns so gegen den Wind gelegt. Da konnte man sich fast flachen legen, da fiel man noch nicht um. So ein Wind war das. Au weioweiowei ...", erinnerte sich Bäckermeister Sibo Lücken, der damals alle seine Mehlsäcke zum Sandfüllen mitgebracht hatte, in einem Interview an diese Nacht.

"Die Dünen waren ratzeputz weg, man konnte so von hier aus zum Strand nach Baltrum rübergucken", erzählt Harry Schlecht, der damals mit der Feuerwehr bei der Kajüte im Einsatz war. "Wir hatten ein paar Sandsäcke parat und haben die Schächte dann abgedichtet, damit das Wasser nicht durch die Kanalisation ins Dorf reindrückte. Nebenan stand die Gärtnerei Niemeyer, die war total abgesoffen, die ganze Gärtnerei. Da guckte nur noch die Spitze vom Glashaus raus."

"Im Pirolatal lief das Wasser von hinten rein, nicht von der Strandseite", erzählt er weiter vom Einsatz im Pirolatal. "Von der Wattenmeerseite ist das Wasser hier reingelaufen. Das ganze Pirolatal war unter Wasser."

Mitten im Pirolatal stand damals eine Baracke, ein ehemaliges Offizierskasino, das inzwischen bewohnt war. Die Feuerwehrmänner mussten bis zum Bauch durchs Wasser waten, um die dort lebende Familie zu evakuieren. Gärtnerei und die Baracke mussten nach der Sturmflut abgerissen werden.

In der Ratssitzung am 16. Februar 2017 erinnerte Bürgermeister Uwe Garrels an die Geschehnisse jener Nacht. "Das war damals eine existentielle Bedrohung für die Insel, in der alle geholfen haben. Auch heute ist Langeoog in so einer Situation auf sich alleine gestellt.  Deshalb ist es notwendig, dass wir alle zusammenarbeiten."

 

Die Fotos aus einem privaten Fotoalbum wurden uns von Uwe Garrels zur Verfügung gestellt.

Die Zitate stammen zum Teil aus den Filmen "Sturmfluten an der Nordseeküste" und "Insel-Leben Langeoog" von Véronique Friedmann und Rolf Blank.

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